Stalking aus der Sicht der Opferberatung

Stalking ist Ende der 1980er Jahre allmählich in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt und meint das willentliche und beharrliche Verfolgen und Belästigen einer Person. Das englische Wort „to stalk“ bedeutet unter anderem heranpirschen, jagen. Stalking umfasst eine Vielzahl möglicher Handlungen, welche jede für sich allein genommen unter Umständen harmlos wären. Die Anzahl und die Dauer führen jedoch dazu, dass ein Stalking-Opfer unmittelbar in seiner psychischen Integrität verletzt wird. Nicht selten kommt zudem die Verletzung der physischen Integrität durch Ausübung von körperlicher Gewalt hinzu. Typische Stalking Handlungen sind Telefonanrufe, SMS, E-Mails, Verleumdungen, unerwünschte Geschenke, Ausfragen des Bekanntenkreises, Nachstellen und Verfolgen. Typische Folgen beim Opfer sind vegetative Symptome wie Unruhe, Kopfschmerzen, Angst, Schlafstörungen etc., aber auch depressive Verstimmungen und reaktive Verhaltensmuster wie Vermeidungsverhalten und soziale Isolation. Hinzu kommen oft körperliche Symptome wie Kopfschmerzen, Magenbeschwerden und Kreislaufprobleme. 90 % der Opfer von Stalking sind weiblich und rund 85 % der Täter sind Männer, im Folgenden verzichten wir daher aus pragmatischen Gründen auf geschlechtsneutrale Formulierung. Zwar müssen Täter und Opfer sich nicht unbedingt kennen, oft sind jedoch Personen von Stalking betroffen, die eine Beziehung oder Ehe mit dem Täter beendet oder einen Beziehungswunsch des Täters zurückgewiesen haben. Viele Länder haben einen eigenen Straftatbestand „Stalking“, nicht jedoch die Schweiz. Entsprechende Bestrebungen wurden in jüngster Zeit wieder verworfen. Gegenstand eines Strafverfahrens bilden daher Tatbestände wie Missbrauch der Fernmeldeanlage, Drohung, Ehrverletzungsdelikte, Hausfriedensbruch, Nötigung. Durch das Zivilgericht kann dem Täter verboten werden, sich dem Opfer zu nähern oder es zu kontaktieren. Bei Zuwiderhandlung kann eine Strafe nach Art. 292 StGB verhängt werden.

In der Opferberatung treffen wir regelmässig auf Menschen, die durch Stalking in ihrer Lebensführung eingeschränkt und tief verängstigt sind. Neben Hilfestellungen im Straf- und Zivilverfahren und psychischer Stärkung des Opfers (durch Vermittlung von Informationen, einer Therapie oder eines Selbstverteidigungskurses) stehen im Beratungsalltag konkrete Verhaltenstipps im Vordergrund. Folgende Schritte sind wichtig, wenn man von Stalking betroffen ist:

  • Jeden Kontakt mit dem Stalker radikal abbrechen. Ein einziges Mal ruhig und vor Zeugen mitteilen, dass kein weiterer Kontakt erwünscht ist und dies dann konsequent einhalten.
  • Neue Telefonnummer / E-Mail-Adresse einrichten. Für die bisherige Nummer kann von der Telefongesellschaft eine Anrufliste (zu Beweiszwecken) verlangt werden.
  • Umfeld informieren, denn Öffentlichkeit schützt und verhindert, dass versehentlich Informationen über das Opfer oder dessen Alltag weitergegeben werden.
  • Alles dokumentieren, datieren und aufbewahren. Das kann für ein allfälliges Strafverfahren entscheidend sein.
  • Polizei und Opferberatungsstelle aufsuchen.

In der Opferhilfestatistik können wir Fälle von Stalking nicht separat ausweisen, weil wir die erfassten Tatbestände wie Drohung, Nötigung oder Körperverletzung statistisch nicht in einen Zusammenhang mit Stalking bringen können. Wie viele Fälle bei der Opferberatung auftreten, ist daher eine Schätzung. Wir gehen von monatlich zwei bis drei Fällen aus, die oft im Zusammenhang mit Häuslicher Gewalt stehen.
Das Eidgenössische Büro für Gleichstellung EBG hat vom Bundesamt für Justiz den Auftrag erhalten einen Forschungsbericht einzuholen. Dieser soll aufzeigen, welche erfolgreichen Massnahmen zur Bekämpfung von Stalking es bereits im In- und Ausland gibt. Der Bericht dürfte Ende 2016 vorliegen. Die Opferberatungsstelle des Kantons Schwyz ist in der Begleitgruppe des Forschungsteams.
Viele weitere Informationen zum Thema finden sich im Internet, beispielsweise auf der Seite der Schweizerischen Kriminalprävention (www.skppsc.ch) unter der Rubrik „Gewalt“, „Stalking“ und beim eidgenössischen Büro für Gleichstellung EBG (www.equality-office.ch; www.ebg.admin.ch/dokumentation, Informationsblatt 7 „Stalking: bedroht, belästig, verfolgt“).

Evelyne Marciante, Stellenleiterin und Beraterin Opferberatung Kanton Schwyz und Uri

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